Einkommensteuer auf Erwerbsminderungsrenten

Erwerbs­min­de­rungs­ren­ten aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung unter­lie­gen – eben­so wie regu­lä­re gesetz­li­che Alters­ren­ten – für Zeit­räu­me ab 2005 dem Prin­zip der nach­ge­la­ger­ten Besteue­rung und sind daher grund­sätz­lich in vol­ler Höhe steu­er­pflich­tig, wie jetzt das Finanz­ge­richts Müns­ter in einem aktu­el­len Urteil erneut betont. Bereits im letz­ten Okto­ber hat­te das Finanz­ge­richt Müns­ter die der­zei­ti­ge Ein­kom­men­be­steue­rung der Erwerbs­min­de­rungs­ren­ten als ver­fas­sungs­ge­mäß beur­teilt1.

In dem jetzt vom Finanz­ge­richt Müns­ter ent­schie­de­nen Streit­fall bezog der im Jahr 1960 gebo­re­ne Klä­ger eine Ren­te wegen teil­wei­ser Erwerbs­min­de­rung aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung, und zwar längs­tens bis zur Voll­endung des 65. Lebens­jah­res. Das Finanz­amt erfass­te die Ren­ten­ein­nah­men im Streit­jahr 2006 mit einem Besteue­rungs­an­teil von 50 %. Der Klä­ger mein­te, die Ren­te sei auch für Zeit­räu­me ab 2005 wei­ter­hin als sog. abge­kürz­te Leib­ren­te ledig­lich mit einem Ertrags­an­teil von 22 % zu besteuern.

Das Finanz­ge­richt Müns­ter trat die­ser Argu­men­ta­ti­on jedoch ent­ge­gen und hielt die Besteue­rung von Erwerbs­min­de­rungs­ren­ten aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung mit einem Anteil von 50 % für recht­mä­ßig. Das seit dem Jahr 2005 gel­ten­de Prin­zip der nach­ge­la­ger­ten Besteue­rung, also die vol­le Steu­er­pflicht der Ren­te bei vol­lem vor­he­ri­gem steu­er­li­chen Abzug der Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge, fin­de sowohl für gesetz­li­che Alters­ren­ten als auch für gesetz­li­che Erwerbs­min­de­rungs­ren­ten Anwen­dung. Eine steu­er­li­che Pri­vi­le­gie­rung der Erwerbs­min­de­rungs­ren­te als sog. abge­kürz­te Leib­ren­te mit einem gerin­gen Ertrags­an­teil (§ 55 Abs. 2 EStDV) kom­me nicht mehr in Betracht. Denn auch die Anwart­schaft auf eine Erwerbs­min­de­rungs­ren­te erwer­be der Berech­tig­te aus Bei­trä­gen in die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung. Die unter­schied­li­che steu­er­li­che Behand­lung von Erwerbs­min­de­rungs­ren­ten aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und sol­chen aus pri­va­ten Leib­ren­ten­ver­si­che­run­gen – für L etz­te­re gilt nach wie vor die güns­ti­ge Ertrags­an­teils­be­steue­rung – sei des­halb gerecht­fer­tigt, da Bei­trags­zah­lun­gen an Pri­vat­ver­si­che­run­gen in wei­tem Umfang aus ver­steu­er­tem Ein­kom­men erfolgten.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 24. März 2010 – 12 K 2243/​08 E

  1. FG Müns­ter, Urteil vom 29.10.2009 – 8 K 1745/​07 E[]