Die Rechtmäßigkeit der Rentenerhöhung zum 1. Juli 2013

Die Ren­ten­an­pas­sung in Höhe von 0,25 % zum 1. Juli 2013 ist recht­mä­ßig und ver­stößt nicht gegen die Grundrechte.

So hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Rent­ne­rin ent­schie­den, nach deren Mei­nung die Anpas­sung der Ren­te um nur 0,25 % gegen den Gleich­heits­satz des Grund­ge­set­zes und die all­ge­mei­nen Men­schen­rech­te ver­sto­ße. Die 1950 gebo­re­nen Klä­ge­rin bezog seit dem 1. Sep­tem­ber 2010 eine Ren­te wegen vol­ler Erwerbs­min­de­rung. Bis ein­schließ­lich 30. Juni 2013 betrug der monat­li­che Zahl­be­trag ihrer Ren­te 439,48 Euro, ab dem 1. Juli 2013 440,89 Euro. Im gericht­li­chen Ver­fah­ren mach­te die Klä­ge­rin gel­tend, dass die Anpas­sung der Ren­te um nur 0,25 % gegen den Gleich­heits­satz des Grund­ge­set­zes und die all­ge­mei­nen Men­schen­rech­te ver­sto­ße. Die Erhö­hung der Alters­be­zü­ge für pen­sio­nier­te Beam­te fal­le dage­gen höher aus.

Nach Auf­fas­sung des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nie­der­sach­sen-Bre­men ent­spre­che die Fest­set­zung des aktu­el­len Ren­ten­werts zum 1. Juli 2013 in der von der Bun­des­re­gie­rung beschlos­se­nen Ver­ord­nung den recht­li­chen Vor­ga­ben des § 68 Sozi­al­ge­setz­buch Sechs­tes Buch (SGB VI). Er ori­en­tie­re sich an den Ver­än­de­run­gen der Brut­to­löh­ne und ‑gehäl­ter je Arbeit­neh­mer und des durch­schnitt­li­chen Bei­trags­sat­zes in der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung in den alten Län­dern im Jahr 2012 gegen­über 2011 sowie dem Nach­hal­tig­keits­fak­tor mit 0,9928.

Ein Ver­stoß gegen die Grund­rech­te lie­ge eben­falls nicht vor. Es bestehe nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts kein ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­tes Ver­trau­en in eine unein­ge­schränk­te und ste­ti­ge Ren­ten­er­hö­hung. Die Fest­le­gung des aktu­el­len Ren­ten­werts stel­le dabei eine rechts­po­li­ti­sche Ent­schei­dung dar, bei der der Gesetz­ge­ber eine Viel­zahl von Fak­to­ren zu berück­sich­ti­gen habe, wie z.B. die Gewähr­leis­tung der finan­zi­el­len Grund­la­gen der Ren­ten­ver­si­che­rung, die Aus­wir­kung zusätz­li­cher Finanz­mit­tel, die demo­gra­phi­sche Ent­wick­lung und ihre kurz‑, mit­tel- und lang­fris­ti­gen Aus­wir­kun­gen auf die Ren­ten­ver­si­che­rung sowie die Ver­teue­rung des Fak­tors Arbeit und der evtl. Weg­fall ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger Beschäftigungsverhältnisse. 

Nach Ansicht des Lan­des­so­zi­al­ge­richts habe der Gesetz­ge­ber auch sei­nen sozi­al­po­li­ti­schen Gestal­tungs­spiel­raum nicht über­schrit­ten. Eben­so erge­be sich kei­ne Rechts­wid­rig­keit aus dem Ver­gleich mit der Beam­ten­ver­sor­gung, da das Recht der Beam­ten durch viel­fäl­ti­ge – auch his­to­risch zu erklä­ren­de – Son­der­re­ge­lun­gen geprägt sei, die auch mit erheb­li­chen zusätz­li­chen Belas­tun­gen für die Beam­ten ver­bun­den sei­en, z.B. durch eine höhe­re Ver­steue­rung der Pen­sio­nen oder die feh­len­de Mög­lich­keit ledig­lich den Arbeit­neh­mer­an­teil für eine gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung erbrin­gen zu können.

Aus die­sen Grün­den hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt die Fest­set­zung des aktuellen
Ren­ten­werts (West) auf 28,14 Euro zum 1. Juli 2013 durch die Bun­des­re­gie­rung per Ver­ord­nung vom 12. Juni 2013 – und damit eine Erhö­hung um 0,25 % – als recht­mä­ßig und ver­fas­sungs­ge­mäß bestätigt.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men, Urteil vom 6. August 2014 – L 2 R 306/​14