Aussetzung der Rentenanpassung 2010

Die Aus­set­zung der Ren­ten­an­pas­sung 2010 war nach Ansicht des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Rhein­land-Pfalz rechtmäßig.

Die Aus­set­zung der Ren­ten­an­pas­sung in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zum 1. Juli 2010 („Null-Run­de”) ent­spricht nach Ansicht des Lan­des­so­zi­al­ge­richts dem Gesetz. Anhalts­punk­te für eine Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der gesetz­li­chen Rege­lung erge­ben sich für das Lan­des­so­zi­al­ge­richt nicht. 

Der Klä­ger hat­te u.a. gel­tend gemacht, es müs­se eine Anpas­sung um min­des­tens 1,2% erfol­gen, weil dies der Erhö­hung ent­spre­che, die ehe­ma­li­ge Beam­te im Jahr 2010 durch­schnitt­lich erhal­ten hät­ten. Auch wenn frü­he­re Null-Run­den nicht ver­fas­sungs­wid­rig gewe­sen sei­en, müss­ten die Anfor­de­run­gen an eine ver­fas­sungs­recht­li­che Recht­fer­ti­gung jedes Mal neu geprüft wer­den. Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat die feh­len­de Ren­ten­er­hö­hung für recht­mä­ßig erach­tet. Die Fest­set­zung des aktu­el­len Ren­ten­werts durch Rechts­ver­ord­nung der Bun­des­re­gie­rung ent­spricht den gesetz­li­chen Vor­ga­ben. Rechen­feh­ler sind nicht ersicht­lich. Ver­fas­sungs­recht­lich kann kei­ne auto­ma­ti­sche Erhö­hung der Ren­te begehrt wer­den. Viel­mehr ist der Gesetz­ge­ber ver­pflich­tet, die finanz­po­li­ti­schen Aus­wir­kun­gen von Ren­ten­er­hö­hun­gen zu berück­sich­ti­gen. Nur wenn der Gesetz­ge­ber bei Aus­übung sei­nes wei­ten Ermes­sens­spiel­rau­mes ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­te Rech­te der Betrof­fe­nen unver­hält­nis­mä­ßig ein­schrän­ken wür­de, könn­te eine Ver­fas­sungs­wid­rig­keit ange­nom­men wer­den. Dafür bestün­den aber kei­ne Anhalts­punk­te. Ins­be­son­de­re liegt durch eine mög­li­che Erhö­hung der Beam­ten­pen­sio­nen kein Ver­stoß gegen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz vor. Denn es han­delt sich um unter­schied­li­che Sys­te­me, bei denen nicht ein­zel­ne Ele­men­te, wie z.B. auch die deut­lich güns­ti­ge­re Besteue­rung der Ren­ten gegen­über den Pen­sio­nen, auf das jeweils ande­re Sys­tem über­tra­gen wer­den können.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 31. Okto­ber 2011 – L 4 R 407/​11