Startgutschrift bei der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL)

Die Bezug­nah­me in § 79 Abs. 2 Satz 1 der Sat­zung der Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der (VBLS) auf § 44a VBLS a.F. führt nicht zur Unwirk­sam­keit einer auf die­ser Grund­la­ge ermit­tel­ten Start­gut­schrift.

Es begeg­net – für sich genom­men – kei­nen recht­li­chen Beden­ken, dass bei Errech­nung der Start­gut­schrift ren­ten­na­her berufs­stän­disch grund­ver­sorg­ter Ver­si­cher­ter der von der Gesamt­ver­sor­gung in Abzug zu brin­gen­de Grund­ver­sor­gungs­be­trag gemäß § 79 Abs. 5 Satz 2 VBLS n.F. i.V.m. § 40 Abs. 2 Buchst. c) VBLS a.F. auf der Grund­la­ge der Arbeit­ge­ber­bei­trä­ge ermit­telt wird.

Zu den Anfor­de­run­gen an die Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen bei Prü­fung der Fra­ge, ob die mit einer – grund­sätz­lich zuläs­si­gen – Typi­sie­rung oder Gene­ra­li­sie­rung ver­bun­de­ne Ungleich­be­hand­lung ren­ten­na­her und ren­ten­fer­ner Ver­si­cher­ter mit berufs­stän­di­scher Grund­ver­sor­gung nach Art. 3 Abs. 1 GG hin­ge­nom­men wer­den muss.

Die Bezug­nah­me auf § 44a VBLS a.F. in § 79 Abs. 2 VBLS n.F. führt nicht zur Unwirk­sam­keit einer erteil­ten Startgutschrift.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat in sei­nem Urteil vom 24. Sep­tem­ber 20081 ent­schie­den und im Ein­zel­nen begrün­det, dass die im Rah­men der Sys­tem­um­stel­lung der Zusatz­ver­sor­gung des öffent­li­chen Diens­tes in der VBLS getrof­fe­ne Über­gangs­re­ge­lung für ren­ten­na­he Ver­si­cher­te (§ 32 Abs. 1, 4 Satz 1, § 33 Abs. 2, 4 ff. ATV; § 78 Abs. 1, 2 Satz 1; § 79 Abs. 2, 4 ff. VBLS) wirk­sam ist. Dar­an ist festzuhalten.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Berech­nungs­wei­se der Start­gut­schrif­ten ren­ten­na­her Ver­si­cher­ter in sei­nem vor­ge­nann­ten Urteil2 im Ein­zel­nen dar­ge­legt und im Ergeb­nis gebil­ligt. Dar­auf wird Bezug genom­men. Die mit der Bezug­nah­me auf § 44a VBLS a.F. begrün­de­ten Ein­wän­de gegen die­se Start­gut­schrif­ten­er­mitt­lung grei­fen nicht durch.

Zwar hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Vor­schrift des § 18 BetrAVG in ihrer frü­he­ren Fas­sung für mit dem Grund­ge­setz unver­ein­bar erklärt3 und darf auch die der bean­stan­de­ten Vor­schrift nach­ge­bil­de­te Sat­zungs­be­stim­mung des § 44a VBLS a.F. seit Ablauf der bis zum 31.12.2000 gesetz­ten Über­gangs­frist nicht mehr für die Errech­nung von Ver­si­che­rungs­ren­ten her­an­ge­zo­gen wer­den4. Dies führt aber nicht dazu, dass auch der Ver­weis auf § 44a VBLS a.F. in der Über­gangs­re­ge­lung des § 79 Abs. 2 Satz 1 VBLS n.F. als unwirk­sam erach­tet und die Über­gangs­re­ge­lung ins­ge­samt durch eine ana­lo­ge Anwen­dung des § 18 Abs. 2 BetrAVG in der seit dem 1.01.2001 gel­ten­den neu­en Fas­sung ersetzt wer­den muss.

Die Ver­wei­sung auf § 44a VBLS a.F. in § 79 Abs. 2 Satz 1 VBLS n.F. bezweckt ledig­lich, den ren­ten­na­hen Ver­si­cher­ten bei Ermitt­lung ihrer Start­gut­schrif­ten eine Unter­gren­ze für ihre bis zur Sys­tem­um­stel­lung erdien­ten Ren­ten­an­wart­schaf­ten in Höhe einer nach § 44a VBLS a.F. zu errech­nen­den Ver­si­che­rungs­ren­te zu garan­tie­ren. Inso­weit unter­schei­det sich die Ver­wei­sung von der­je­ni­gen des § 80 VBLS5, die für die Bestim­mung der Anwart­schaf­ten bei­trags­frei Ver­si­cher­ter aus­drück­lich auf die „am 31.12.2001 gel­ten­de Ver­si­che­rungs­ren­ten­be­rech­nung” und mit­hin nur auf sol­che Sat­zungs­be­stim­mun­gen ver­weist, die zum genann­ten Stich­tag gül­tig waren. Mit der Ver­wei­sung in § 79 Abs. 2 Satz 1 VBLS n.F. wird den Ver­si­cher­ten hin­ge­gen Ver­trau­ens- und Bestands­schutz gewährt; ihnen soll unge­ach­tet der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Sat­zungs­be­stim­mung jeden­falls die danach errech­ne­te Ren­ten­an­wart­schaft als Min­dest­be­trag erhal­ten blei­ben. Damit wur­de für die ren­ten­na­hen Ver­si­cher­ten anders als in der Über­gangs­re­ge­lung für ren­ten­fer­ne Ver­si­cher­te ins­be­son­de­re auch dem Umstand Rech­nung getra­gen, dass vor der Sys­tem­um­stel­lung eine Ver­un­si­che­rung über die Anwend­bar­keit des § 44a VBLS a.F. des­halb ein­ge­tre­ten war, weil die Klau­sel unge­ach­tet der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu § 18 BetrAVG bis zur erst im Novem­ber 2002 geneh­mig­ten rück­wir­ken­den Sat­zungs­um­stel­lung auf das neue Betriebs­ren­ten­sys­tem zum 31.12.2001 nicht auf­ge­ho­ben wor­den war6. An einer sol­chen Bestands­schutz­re­ge­lung waren die Tarif­ver­trags­par­tei­en und – ihnen fol­gend – der Sat­zungs­ge­ber aus Rechts­grün­den nicht gehin­dert, da die Start­gut­schrift in ers­ter Linie nach Maß­ga­be des § 40 VBLS a.F. zu ermit­teln ist, wes­halb die Über­gangs­re­ge­lung die Män­gel, aus denen her­aus das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Rege­lun­gen in § 18 BetrAVG a.F./§ 44a VBLS a.F. bean­stan­det hat, nicht per­p­etu­iert. Wie das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend gese­hen hat, hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt an der frü­he­ren Fas­sung des § 18 BetrAVG (und damit mit­tel­bar auch an § 44a VBLS a.F.) in ers­ter Linie bean­stan­det, dass durch die Abkop­pe­lung der Zusatz­ren­ten­an­wart­schaf­ten von den gege­be­nen Ver­sor­gungs­zu­sa­gen im Fal­le vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens eines Ver­si­cher­ten aus dem öffent­li­chen Dienst Nach­tei­le ent­ste­hen konn­ten, die auch geeig­net waren, den Betrof­fe­nen vom Wech­sel in einen ande­ren Beruf abzu­hal­ten7.

Dar­um geht es bei der Fest­stel­lung der bis zum Umstel­lungs­stich­tag erwor­be­nen Ren­ten­an­wart­schaf­ten nicht. Die in § 79 Abs. 2 Satz 1 VBLS n.F. i.V.m. § 44a VBLS a.F. getrof­fe­ne Min­dest­re­ge­lung kommt gera­de Ver­si­cher­ten wie dem Klä­ger zugu­te, bei denen infol­ge einer hohen Grund­ver­sor­gung im Rah­men der Start­gut­schrif­ten­er­rech­nung hohe Abzü­ge vom Gesamt­ver­sor­gungs­be­trag vor­zu­neh­men sind. Des­halb über­steigt im Fal­le des Klä­gers die nach § 40 Abs. 4 i.V.m. § 44a VBLS a.F. ermit­tel­te Ren­ten­an­wart­schaft die nach § 40 Abs. 1 VBLS a.F. errech­ne­te um mehr als 100 €. Eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Benach­tei­li­gung liegt dar­in nicht.

Die in § 79 Abs. 2 VBLS n.F. geschaf­fe­ne Über­gangs­re­ge­lung für ren­ten­na­he Ver­si­cher­te stützt sich auf eine Grund­ent­schei­dung der Tarif­ver­trags­par­tei­en (§ 33 Abs. 2 ATV)8. Sie ist an Art. 3 Abs. 1 GG zu mes­sen9.

Es begeg­net aller­dings für sich genom­men kei­nen recht­li­chen Beden­ken, son­dern bewegt sich noch im Rah­men der zuläs­si­gen Typi­sie­rung, dass bei Errech­nung der Start­gut­schrift ren­ten­na­her berufs­stän­disch grund­ver­sorg­ter Ver­si­cher­ter der von der Gesamt­ver­sor­gung in Abzug zu brin­gen­de Grund­ver­sor­gungs­be­trag gemäß § 79 Abs. 5 Satz 2 VBLS n.F. i.V.m. § 40 Abs. 2 Buchst. c) VBLS a.F. auf der Grund­la­ge der Arbeit­ge­ber­bei­trä­ge i.S. des § 65 Abs. 4 Satz 5 VBLS a.F. ermit­telt wird. Inso­weit muss es der Klä­ger hin­neh­men, dass in sei­nem Fal­le der der Start­gut­schrift zugrun­de geleg­te monat­li­che Abzug von 3.171,71 €, der ledig­lich eine fin­gier­te Rechen­grö­ße dar­stellt, die inzwi­schen tat­säch­lich bezo­ge­ne monat­li­che Grund­ren­te von ledig­lich 2.946,80 € über­steigt. Ent­schei­dend dafür, dass es zu Abwei­chun­gen zwi­schen dem der Start­gut­schrift zugrun­de geleg­ten Grund­ver­sor­gungs­be­trag und der spä­ter tat­säch­lich gewähr­ten Grund­ver­sor­gung kom­men kann, ist der Ver­zicht der Über­gangs­re­ge­lung auf einen nach­träg­li­chen Daten­ab­gleich und eine ent­spre­chen­de Kor­rek­tur der Start­gut­schrift im Zeit­punkt des Ren­ten­ein­tritts. Dafür spre­chen trif­ti­ge Grün­de; eine sol­che nach­träg­li­che Kor­rek­tur der für die Fest­schrei­bung erdien­ter Ren­ten­an­wart­schaf­ten maß­geb­li­chen Para­me­ter hät­te nicht nur erheb­li­chen zusätz­li­chen Ver­wal­tungs- und Kos­ten­auf­wand erfor­dert, son­dern auch die Ver­bind­lich­keit der Start­gut­schrif­ten als Kal­ku­la­ti­ons­grund­la­ge der Beklag­ten über Jah­re hin­aus­ge­scho­ben. Das wider­sprä­che dem berech­tig­ten Ziel der Sys­tem­um­stel­lung, die Zusatz­ver­sor­gung von den für das frü­he­re Gesamt­ver­sor­gungs­sys­tem rele­van­ten exter­nen Fak­to­ren abzu­kop­peln und statt­des­sen für den Über­gang auf das kapi­tal­ge­deck­te Ver­fah­ren eine über­schau­ba­re, früh­zei­tig kal­ku­lier­ba­re Finan­zie­rungs­grund­la­ge zu schaf­fen. Eine nach­träg­li­che Kor­rek­tur der Start­gut­schrif­ten anhand der erst bei Ren­ten­be­ginn ermit­tel­ten Rechen­grö­ßen (wie etwa der dann tat­säch­lich geleis­te­ten Grund­ver­sor­gung) hät­te dazu geführt, auf lan­ge Sicht die Abhän­gig­keit der Zusatz­ren­te von exter­nen Fak­to­ren und damit den Zustand par­ti­ell auf­recht zu erhal­ten, der nach der von den Gerich­ten hin­zu­neh­men­den Bewer­tung der Tarif­ver­trags­par­tei­en drin­gen­den Ände­rungs­be­darf aus­ge­löst hat­te10. Die Tarif­ver­trags­par­tei­en haben inso­weit ihren durch die Tarif­au­to­no­mie eröff­ne­ten wei­ten Hand­lungs­spiel­raum nicht über­schrit­ten. Die Gerich­te haben die Rege­lung nicht dar­an zu mes­sen, ob auch ande­re, für die Ver­si­cher­ten güns­ti­ge­re oder als gerech­ter emp­fun­de­ne Lösun­gen in Betracht zu zie­hen gewe­sen wären.

Der vom Beru­fungs­ge­richt erkann­te Aus­schluss eines Ver­sto­ßes gegen Art. 3 Abs. 1 GG beruht dage­gen auf einer unzu­rei­chen­den Tat­sa­chen­grund­la­ge. Die bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts las­sen eine Ent­schei­dung dar­über noch nicht zu, ob sich eine mög­li­che Ungleich­be­hand­lung ren­ten­fer­ner und ren­ten­na­her berufs­stän­disch grund­ver­sorg­ter Ver­si­cher­ter nach der Klä­ger­be­haup­tung ins­be­son­de­re eine Schlech­ter­stel­lung von aus Bestands­schutz­grün­den an sich bes­ser zu stel­len­den ren­ten­na­hen gegen­über ren­ten­fer­nen Ver­si­cher­ten noch im Rah­men einer zuläs­si­gen Typi­sie­rung bewegt und Art. 3 Abs. 1 GG mit­hin nicht ver­letzt ist.

Zwar hat die Über­gangs­re­ge­lung der VBLS nach der von der Revi­si­on nicht ange­grif­fe­nen Fest­stel­lung des Beru­fungs­ge­richts dazu geführt, dass der Klä­ger aktu­ell eine um ca. 116 € höhe­re Zusatz­ren­te bezieht, als sie ihm nach dem frü­he­ren Gesamt­ver­sor­gungs­sys­tem der Beklag­ten zuge­stan­den hät­te. Das belegt zunächst, dass die Über­gangs­re­ge­lung für ren­ten­na­he Ver­si­cher­te im Fal­le des Klä­gers zu kei­nen Anwart­schafts­ver­lus­ten geführt hat.

Den­noch könn­te sich ein Ver­stoß gegen Art. 3 Abs. 1 GG dar­aus erge­ben, dass sich die Über­gangs­re­ge­lung für ren­ten­fer­ne berufs­stän­disch grund­ver­sorg­te Ver­si­cher­te zum Teil als noch weit­aus güns­ti­ger erweist, weil ihnen im Rah­men der Start­gut­schrif­ten­er­mitt­lung nicht die vor­aus­sicht­li­che Grund­ver­sor­gung, son­dern ledig­lich eine im Nähe­rungs­ver­fah­ren zu ermit­teln­de fik­ti­ve gesetz­li­che Ren­te von der Gesamt­ver­sor­gung abge­zo­gen wird, was zu höhe­ren Start­gut­schrif­ten füh­ren kann.

Aus dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz folgt – auch für die Tarif­ver­trags­par­tei­en11 – das Gebot, wesent­lich Glei­ches gleich und wesent­lich Unglei­ches ungleich zu behan­deln12. Das Grund­recht ist ver­letzt, wenn sich ein ver­nünf­ti­ger, aus der Natur der Sache fol­gen­der oder sonst sach­lich ein­leuch­ten­der Grund für die jewei­li­ge Dif­fe­ren­zie­rung oder Gleich­be­hand­lung nicht fin­den lässt13. Bei einer unglei­chen Behand­lung von Per­so­nen­grup­pen unter­liegt der Norm­ge­ber in der Regel einer stren­gen Bin­dung. Eine unter­schied­li­che Behand­lung ist bereits gleich­heits­wid­rig, wenn eine Grup­pe von Normadres­sa­ten im Ver­gleich zu ande­ren Normadres­sa­ten anders behan­delt wird, obwohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Unter­schie­de von sol­chem Gewicht bestehen, dass sie die Ungleich­be­hand­lung recht­fer­ti­gen kön­nen14.

Ob die mit einer – bei der Ord­nung von Mas­sen­er­schei­nun­gen und der Rege­lung hoch­kom­pli­zier­ter Mate­ri­en wie der Zusatz­ver­sor­gung im öffent­li­chen Dienst grund­sätz­lich zuläs­si­gen15 – Typi­sie­rung oder Gene­ra­li­sie­rung ver­bun­de­nen Här­ten und Unge­rech­tig­kei­ten hin­ge­nom­men wer­den müs­sen, hängt zum einen von der Inten­si­tät der Benach­tei­li­gun­gen und der Zahl der betrof­fe­nen Per­so­nen ab. Es darf ledig­lich eine ver­hält­nis­mä­ßig klei­ne Zahl von Per­so­nen betrof­fen und die Ungleich­be­hand­lung nicht sehr inten­siv sein16. Zum ande­ren kommt es auf die Dring­lich­keit der Typi­sie­rung und die mit ihr ver­bun­de­nen Vor­tei­le an. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, wie kom­pli­ziert die gere­gel­te Mate­rie ist, wel­che prak­ti­schen Erfor­der­nis­se für sie spre­chen und wie groß die Schwie­rig­kei­ten bei der Ver­mei­dung der Ungleich­be­hand­lung sind17.

Im Grund­satz bestehen gegen die unter­schied­li­che Behand­lung ren­ten­fer­ner und ren­ten­na­her Ver­si­cher­ter und den für die Unter­schei­dung maß­geb­li­chen Stich­tag in der Über­gangs­re­ge­lung der §§ 33 ATV, 78, 79 VBLS kei­ne recht­li­chen Beden­ken18. Die unter­schied­li­chen Über­gangs­re­ge­lun­gen beru­hen auf einer gene­ra­li­sie­ren­den und pau­scha­lie­ren­den Betrach­tung19, die das Ziel ver­folgt, den ren­ten­na­hen Ver­si­cher­ten einen wei­ter­ge­hen­den Schutz ihres des­halb mög­lichst kon­kret zu ermit­teln­den Besitz­stan­des zu gewähr­leis­ten, wäh­rend die etwa 1,7 Mil­lio­nen ren­ten­fer­nen Ver­si­cher­ten es grund­sätz­lich hin­neh­men müs­sen, dass ihre Start­gut­schrif­ten im Inter­es­se einer Ver­ein­fa­chung und Beschleu­ni­gung der Sys­tem­um­stel­lung mit­tels weit­ge­hend pau­scha­lier­ter Para­me­ter ermit­telt werden.

Die unter­schied­li­che Ermitt­lung der abzieh­ba­ren Grund­ver­sor­gung kann bei bei­den Ver­si­cher­ten­grup­pen indes zu Ergeb­nis­sen füh­ren, die dem Zweck der Über­gangs­re­ge­lung, ren­ten­na­hen Ver­si­cher­ten einen wei­ter­ge­hen­den Bestands­schutz zu gewähr­leis­ten als ren­ten­fer­nen, ent­ge­gen­ste­hen. Damit ver­bun­de­ne Här­ten und Unge­rech­tig­kei­ten sind nur so lan­ge hin­zu­neh­men, wie sie ledig­lich eine ver­hält­nis­mä­ßig klei­ne Zahl von Ver­si­cher­ten betref­fen und die jewei­li­ge Ungleich­be­hand­lung nicht sehr inten­siv ist20. Maß­ge­bend für die ver­fas­sungs­recht­li­che Unbe­denk­lich­keit der Über­gangs­re­ge­lung ist nicht, ob sie in ein­zel­nen Fäl­len zu Benach­tei­li­gun­gen ren­ten­na­her Ver­si­cher­ter gegen­über ren­ten­fer­nen führt, viel­mehr ist auf die gene­rel­len Aus­wir­kun­gen der Rege­lung abzu­stel­len21. Über die Ver­ein­bar­keit der vom Klä­ger bean­stan­de­ten Ungleich­be­hand­lung mit Art. 3 Abs. 1 GG kann des­halb – anders als das Beru­fungs­ge­richt meint – ohne Klä­rung der tat­säch­li­chen Aus­wir­kun­gen der bean­stan­de­ten Ungleich­be­hand­lung nicht ent­schie­den werden.

Die Über­gangs­re­ge­lung für ren­ten­fer­ne Ver­si­cher­te mit einer berufs­stän­di­schen Grund­ver­sor­gung kann zu wesent­lich höhe­ren Start­gut­schrif­ten füh­ren als die Über­gangs­re­ge­lung für ren­ten­na­he Versicherte. 

Um beur­tei­len zu kön­nen, in wel­chem Umfang es zu Här­ten oder Unge­rech­tig­kei­ten kommt, ob sie nur eine ver­hält­nis­mä­ßig klei­ne Zahl von Ver­si­cher­ten betref­fen und wie inten­siv die jewei­li­ge Ungleich­be­hand­lung ist, müs­sen die tat­säch­li­chen Aus­wir­kun­gen der bean­stan­de­ten Rege­lung bekannt sein. Dazu reicht es nicht, die Grup­pe der ins­ge­samt ca. 1,7 Mil­lio­nen ren­ten­fer­nen Ver­si­cher­ten zur – dane­ben mög­li­cher­wei­se gering erschei­nen­den – Zahl der Ver­si­cher­ten mit berufs­stän­di­scher Grund­ver­sor­gung in Bezug zu set­zen, denn die nach Art. 3 Abs. 1 GG gebo­te­ne Prü­fung ist auch dar­auf zu erstre­cken, ob eine Grup­pe von Normadres­sa­ten im Ver­gleich zu ande­ren Normadres­sa­ten anders behan­delt wird, obwohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Unter­schie­de von sol­chem Gewicht bestehen, dass sie die Ungleich­be­hand­lung recht­fer­ti­gen kön­nen. Ent­schei­dend ist des­halb, die Grup­pe der Ver­si­cher­ten mit einer berufs­stän­di­schen Grund­ver­sor­gung in den Blick zu neh­men und danach zu fra­gen, für wie vie­le ren­ten­fer­ne Ver­si­cher­te die­ser Grup­pe und in wel­chem Umfang sich die Über­gangs­re­ge­lung kon­kret güns­ti­ger aus­wirkt als die Über­gangs­re­ge­lung für ren­ten­na­he Ver­si­cher­te. Dabei darf nicht allein auf die jewei­li­gen Start­gut­schrif­ten abge­stellt, son­dern müs­sen die am Ende nach dem neu­en Punk­te­sys­tem vor­aus­sicht­lich zu leis­ten­den Zusatz­ren­ten ver­gli­chen wer­den. Da die Sys­tem­um­stel­lung mit wei­te­ren Nach­tei­len für die Ver­si­cher­ten ein­her­ge­hen kann, pro­fi­tie­ren von der Anwen­dung des Nähe­rungs­ver­fah­rens anstel­le der Errech­nung der Grund­ver­sor­gung mög­li­cher­wei­se vor­wie­gend die­je­ni­gen „ren­ten­nä­he­ren ren­ten­fer­nen” Ver­si­cher­ten, bei wel­chen die Start­gut­schrift die Höhe der Zusatz­ren­te in beson­de­rem Maße beein­flusst. Wie groß die­se Grup­pe Ver­si­cher­ter ist und in wel­chem Umfang ihr Vor­tei­le gegen­über ren­ten­na­hen Ver­si­cher­ten ent­ste­hen, hat das Obe­lan­des­ge­richt Karls­ru­he22 nicht fest­ge­stellt. Sei­ne dies­be­züg­li­chen Aus­füh­run­gen stüt­zen sich auf eine blo­ße Vermutung.

Schließ­lich ver­wirft der Bun­des­ge­richts­hof die Begrün­dung, mit der das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he bis­her von einer wei­ter­ge­hen­den Klä­rung der vor­ge­nann­ten Fra­gen abge­se­hen hat22. Das OLG Karls­ru­he hat aus­ge­führt, eine mög­li­che Begüns­ti­gung ren­ten­fer­ner berufs­stän­disch grund­ver­sorg­ter Ver­si­cher­ter sei ledig­lich eine unbe­ab­sich­tig­te Neben­fol­ge der mit dem Nähe­rungs­ver­fah­ren ver­bun­de­nen Pau­scha­lie­rung und der Gestal­tungs­spiel­raum der Tarif­ver­trags­par­tei­en sei bei der Gewäh­rung sol­cher Vor­tei­le grö­ßer als bei einer Benach­tei­li­gung von Normadres­sa­ten. Im Lich­te der Wert­ent­schei­dun­gen des Grund­ge­set­zes erschei­ne es leich­ter erträg­lich, wenn gele­gent­lich einer Typi­sie­rung Per­so­nen in den Genuss ihnen – nach dem Rege­lungs­zweck – nicht gebüh­ren­der Vor­tei­le kämen, als wenn Per­so­nen von ihnen zuste­hen­den Vor­tei­len aus­ge­schlos­sen wür­den. Schon des­halb kön­ne in Kauf genom­men wer­den, dass ein „mäßi­ger Pro­zent­satz” von Per­so­nen sol­che – nach der Idee der Über­gangs­re­ge­lung zweck­wid­ri­gen – Vor­tei­le erlan­ge. Zudem wer­de der Gestal­tungs­spiel­raum des Norm­ge­bers hier noch dadurch erwei­tert, dass der Über­gangs­re­ge­lung gera­de auch, soweit die­se auf eine Meist­be­güns­ti­gungs­re­ge­lung ver­zich­te eine Grund­ent­schei­dung der Tarif­ver­trags­par­tei­en zugrun­de lie­ge, deren Kom­pro­miss­cha­rak­ter zu berück­sich­ti­gen sei. Des­halb sei eine gleich­heits­wid­ri­ge Benach­tei­li­gung ren­ten­na­her berufs­stän­disch grund­ver­sorg­ter Ver­si­cher­ter selbst dann nicht anzu­neh­men, wenn man mit dem Klä­ger davon aus­gin­ge, dass die­se Grup­pe nicht nur eine ver­hält­nis­mä­ßig klei­ne Zahl Ver­si­cher­ter umfas­se und ihr Vor­tei­le in dem vom Klä­ger ange­führ­ten Umfang entgingen.

All das macht es nicht ent­behr­lich, im Rah­men der nach Art. 3 Abs. 1 GG gebo­te­nen Abwä­gung auch die tat­säch­li­chen quan­ti­ta­ti­ven Aus­wir­kun­gen der bean­stan­de­ten Ungleich­be­hand­lung fest­zu­stel­len. Für sei­ne Annah­me, ledig­lich eine rela­tiv gerin­ge Zahl berufs­stän­disch Ver­si­cher­ter (ein „mäßi­ger Pro­zent­satz”) erlan­ge Vor­tei­le, die mit dem Grund­ge­dan­ken der Sys­tem­um­stel­lung nicht zu ver­ein­ba­ren sei­en, fehlt aber eine aus­rei­chen­de Tat­sa­chen­grund­la­ge, weil weder die Grö­ßen­ord­nung der von der Über­gangs­re­ge­lung Begüns­tig­ten noch der Umfang der Begüns­ti­gun­gen noch die Grö­ße der in Bezug genom­me­nen, nicht begüns­tig­ten Ver­gleichs­grup­pe bekannt ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. Sep­tem­ber 2013 – IV ZR 207/​11

  1. BGH, Urteil vom 24.09.2008 – IV ZR 134/​07, BGHZ 178, 101[]
  2. BGH, aaO Rn. 29 ff.[]
  3. BVerfGE 98, 365 ff.[]
  4. vgl. dazu BGH, Urtei­le vom 14.01.2004 – IV ZR 56/​03, VersR 2004, 453 unter II 1 a und b; 14.11.2007 – IV ZR 74/​06, BGHZ 174, 127 Rn. 90[]
  5. vgl. dazu BGH, Urteil vom 29.09.2010 – IV ZR 8/​10[]
  6. vgl. dazu BGH, Urteil vom 14.11.2007 – IV ZR 74/​06, BGHZ 174, 127 Rn. 8995[]
  7. BVerfGE 98, 365, 384 ff., 395 ff.[]
  8. vgl. dazu Kiefer/​Langenbrinck, Betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung im öffent­li­chen Dienst, Stand: 87. EL, April 2013, § 33 ATV A 1.2[]
  9. vgl. dazu im ein­zel­nen BGH, Urtei­le vom 14.11.2007 – IV ZR 74/​06, BGHZ 174, 127 Rn. 28 ff., 58 ff.; vom 24.09.2008 – IV ZR 134/​07, BGHZ 178, 101 Rn. 25 ff.[]
  10. vgl. dazu auch den Zwei­ten und Drit­ten Ver­sor­gungs­be­richt der Bun­des­re­gie­rung BT-Drucks. 14/​7220 und 15/​5821[]
  11. vgl. dazu BAGE 111, 8, 16 ff.[]
  12. BVerfGE 3, 58, 135; seit­her stän­di­ge Recht­spre­chung[]
  13. vgl. BVerfGE 1, 14, 52; 1, 264, 275 f.; 98, 365, 385; seit­her stän­di­ge Recht­spre­chung[]
  14. BVerfGE 105, 73, 110; BVerfG VersR 2000, 835, 837[]
  15. BGH, Urteil vom 14.11.2007 aaO Rn. 62 m.w.N.; BVerfGE 98, 365, 385; BVerfG VersR 2000, 835, 837[]
  16. vgl. BVerfGE 100, 59, 90; 111, 115, 137[]
  17. vgl. u.a. BVerfGE 63, 119, 128; 87, 234, 255 f.; BVerfG VersR 2000, 835, 837[]
  18. vgl. BGH, Urteil vom 24.09.2008 – IV ZR 134/​07, BGHZ 178, 101 Rn. 30[]
  19. vgl. Clemens/​Scheuring/​Steingen/​Wiese, BAT Teil VII – Vor­bem. zum ATV Stand Juni 2002 Erl.04.02.5 S. 30[]
  20. vgl. BGHZ aaO unter Rn. 61; BVerfGE 100, 59, 90; BVerfG ZTR 2008, 374, 375; VersR 2000 aaO[]
  21. vgl. BAGE 99, 31, 38; 106, 374, 383[]
  22. OLG Karls­ru­he, Urteil vom 30.09.2011 – 12 U 75/​11[][]