Betriebliche Versorgungsordnungen und die außerplanmäßige Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze

Eine vor dem 1. Janu­ar 2003 getrof­fe­ne Ver­sor­gungs­ver­ein­ba­rung, die für den Teil des ver­sor­gungs­fä­hi­gen Ein­kom­mens ober­halb der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung höhe­re Ver­sor­gungs­leis­tun­gen vor­sieht als für den dar­un­ter lie­gen­den Teil – eine sog. „gespal­te­ne Ren­ten­for­mel“ -, ist nach der außer­plan­mä­ßi­gen Anhe­bung der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zum 1. Janu­ar 2003 nicht ergän­zend dahin aus­zu­le­gen, dass die Betriebs­ren­te so zu berech­nen ist, als wäre die außer­plan­mä­ßi­ge Anhe­bung der BBG nicht erfolgt.

Dies ent­schied jetzt das Bun­des­ar­beits­ge­richt und gab damit sei­ne bis­he­ri­ge ent­ge­gen­ste­hen­de Recht­spre­chung aus dem Jahr 2009 auf. An sei­ner gegen­tei­li­gen Recht­spre­chung aus den Urtei­len vom 21. April 2009 1 hält das Bun­des­ar­beits­ge­richt aus­drück­lich nicht mehr fest.

Ein Anspruch auf eine höhe­re Betriebs­ren­te wegen der außer­or­dent­li­chen Anhe­bung der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­zez­um 1. Janu­ar 2003 kann sich damit allen­falls nach den Regeln über die Stö­rung der Geschäfts­grund­la­ge (§ 313 BGB) erge­ben.

In dem jetzt vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall bezieht der Klä­ger seit dem 1. Janu­ar 2006 von der Beklag­ten eine Betriebs­ren­te. Sein Anspruch auf Ver­sor­gungs­leis­tun­gen beruht auf einer Gesamt­zu­sa­ge mit einer „gespal­te­nen Ren­ten­for­mel“. Die Beklag­te hat­te die Betriebs­ren­te unter Berück­sich­ti­gung der außer­plan­mä­ßig ange­ho­be­nen Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze berech­net. Der Klä­ger hat von der Beklag­ten eine höhe­re Betriebs­ren­te ver­langt.

Arbeits­ge­richt und Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden-Würt­tem­berg haben in den Vor­in­stan­zen die Kla­ge abge­wie­sen 2. Die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on des Klä­gers blieb nun auch vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ohne Erfolg: Eine ergän­zen­de Aus­le­gung der Ver­sor­gungs­ord­nung kommt nicht in Betracht. Der Klä­ger kann eine höhe­re Betriebs­ren­te auch nicht wegen Stö­rung der Geschäfts­grund­la­ge ver­lan­gen. Ein Fest­hal­ten an der getrof­fe­nen Ver­ein­ba­rung ist ihm nicht unzu­mut­bar.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urtei­le vom 23. April 2013 – 3 AZR 475/​11, 3 AZR 531/​11, 3 AZR 23/​11, 3 AZR 24/​11, 3 AZR 512/​11 und 3 AZR 513/​11

  1. BAG, Urtei­le vom 21.04.2009 – 3 AZR 471/​07 – und – 3 AZR 695/​08[]
  2. LAG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 10.05.2011 – 2 Sa 115/​10[]